Einen Menschen zu berühren kann eine RIESENsache sein.
Oder eine NEBENsache.
Sie kann aufregend sein, prickelnd, sexy. Sie kann aber auch Arbeit sein, Handwerk, Methode. Sie kann langweilen, nerven, weh tun. Sie kann körperlich sein, verbal,emotional.
Egal wie: Wenn wir Menschen berühren, dann berühren wir ganze Menschen, nicht nur Teile von ihnen. Immer.
Das ist ganz schön groß. Bist du dir deiner Berührungen bewusst? Fragst du sie an? Wie gehst du mit Berührung um? Privat und beruflich?
Eine Umarmung wirkt wie Medizin, soziale Unterstützung schützt gegen krankmachende Effekte von Stress. Das sind die am häufigsten bestätigten Effekte in der Gesundheitspsychologie. Wie das funktioniert haben nun neue Studien gezeigt.
400 Teilnehmende wurden zu Konflikten und Umarmungen befragt. Es stellt sich heraus: Je mehr Konflikte die Menschen erlebten hatten, desto größer war das Risiko an einer Infektion zu erkranken. Das traf allerdings nur auf die Teilnehmenden zu, die keine oder wenige Umarmungen erlebt hatten. Bei Menschen, die viele Umarmungen erhalten hatten, war der Zusammenhang zwischen Konflikt und Infektion sogar umgekehrt.
Wann und von wem die Umarmung kam, hatte einen geringen Einfluss auf das Ergebnis. Bedeutend scheint, die wahrgenomme soziale Unterstützung zu sein. Die Umarmung wird als Indikator dafür empfunden.
Heute schon einen Menschen gefragt ob er umarmt werden möchte?
Berührung ist überlebensnotwendig. Wir brauchen sie ab dem ersten Moment. Alle. Und trotzdem gibt es Menschen, die weniger Berührung erfahren als andere. Jungs weniger als Mädchen. Alte Menschen weniger als junge. Menschen mit Behinderung weniger als Menschen ohne Behinderung.
Wenn Berührung nicht gewünscht ist, ist sie keine Berührung sondern ein Problem. Ein machtvolles Problem. Ein Machtproblem. Ja, auch dann wenn es nicht so gemeint war.
Wir müssen lernen damit umzugehen, Verantwortung zu nehmen, statt sie abzulehnen. Menschen Räume schaffen, in denen sie auch unangenehmes ansprechen können ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Das brauchen wir menschlich, institutionell und auch gesellschaftlich.
Lasst uns seltswirksame Lerngeschichten ermöglichen.
Quelle:
Cohen, S., Janicki-Deverts, D., Turner, R. B., & Doyle, W. J. (in Druck). Does hugging provide stress-buffering social support? A study of susceptibility to upper respiratory infection and illness. Psychological Science.


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